| Geschichte des Masseria in Apulien |
|
Die Masseria Uccio ist ein typisches Beispiel für ein salentinisches Landgut, dessen Ursprünge sich bis ins siebzehnte Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Der Tradition folgend orientierte sich dieses höfliche Anwesen an den Ansprüchen des massaro (des Pächters oder „Geschäftsführers“ der Masseria). Es stellte ein wahres Zentrum der landwirtschaftlichen Produktion dar, der Zucht sowie dem Anbau gewidmet, in welchem auch die Familie des massaro selbst residierte. Jeder der Bewohner bekam klare Aufgaben zugeteilt und nahm eine spezifische Rolle in diesem Gemeinwesen ein. Zusätzlich bediente man sich bei Bedarf Saathelfern, Ährensammlern , Hirten und anderen Landarbeitern. Von Sonnenaufgang bis –untergang wurde hart für den Betrieb gearbeitet: die Ziegen wurden auf den Weiden gehirtet, das Saatgut wurde ausgebracht und nach der Ernte gedroschen. Die Tiere nahmen beim Betrieb des Landgutes eine zentrale Rolle ein: Pferde, Kühe und Ochsen waren für die Ausführung der Arbeiten unersetzlich und stellten auch eine wichtige Quelle für Fleisch dar - wann immer erforderlich. Der massaro war der „Aufseher“ dieses landwirtschaftlichen Anwesens, zumeist ein Pächter der sich verpflichtet hatte, dem Eigentümer die Hälfte der Ernte sowie die ersten der Früchte (primizie) zu übereignen. Das gesamte organisatorische, produktive und soziale Leben auf der Masseria richtete sich nach dem massaro. Nur er konnte Landarbeiter anstellen sowie Aufgaben zuweisen, Befehle erteilen und die Früchte des Betriebs verteilen. Es war ein einfaches und hartes Leben, gekennzeichnet vom unsicheren Verlauf der Jahreszeiten: im Herbst widmeten sich die Männer dem Pflügen der Erde, der Saat und der Ernte; im Winter dem Zuschneiden der Pflanzen sowie der Wartung der Geräte; im Frühling der Pflege des Getreides sowie der Samen; im Sommer der Ernte des Heus, der Getreideernte sowie dem Dreschen. Gedroschen wurde auf einer aia (Tenne), einem kreisrunden Stück planierten Boden in Nähe der Masseria, ausgelegt mit chianchia (Steinplatten), in deren Mitte ringförmig die Ährenbündel ausgebreitet wurden. Die Bauern stellten sich in Folge in die Mitte der Tenne, und führten an Zügeln einen oder Mehr Esel im Kreis, sodass diese mit ihren Hufen die Getreidekörner aus den Ähren traten. Die Männer nahmen sich der härtesten Arbeiten am Hof an, aber das Leben der Frauen war aufgrund von Kindererziehung, Haus- und Feldarbeit nicht weniger beschwerlich: Sie bereiteten Brot und Pasta, Eingemachtes, Marmelladen, Saucen, Liköre, Käse und Rikotta zu, um die Ansrpüche des Herren erfüllen zu können und der eigenen Familie auch in mageren Zeiten eine heiße Mahlzeit pro Tag zu servieren. Sie züchteten Hasen, Hühner, Truthähne und Schweine, die allesamt den großen Hof des Anwesens bevölkerten, und nicht zuletzt mussten sie bei Bedarf auch den Männern auf dem Feld aushelfen. Kinder waren als potentielle Arbeitskräfte ein Zeichen von Wohlstand, sie hirteten die Tiere auf den Weiden und molken Schafe und Ziegen. Zentrales Element einer Masseria und essentialer Bestandteil des Produktionsbetriebs war also die Familie. Das Leben im Betrieb war hart und ärmlich, aber auch von Zusammenhalt, Kollaboration und gegenseitiger Hilfe gekennzeichnet.
|



